Vereinsnachrichten
Rotwildbestände in der Hochwildhegegemeinschaft Sonthofen ansteigend
Jagdvorsteher Jan Biebricher-Reicherzer konnte im fast vollbesetzten Dorfsaal in Aach 90 Jagdgenossen und Gäste begrüßen.
Nach einem ausgiebigen Hirschessen hielt Forstoberrat Bernhard Schmieder vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Kempten einen Vortrag über die neue Antragsmöglichkeit digital forstliche Förderanträge zu stellen. Er ging rückblickend noch einmal auf das forstliche Gutachten ein.
Er stellte fest, dass außer im Jagdbogen Aach-Falken-Imberg die Verbissbelastung an den jungen Bäumen durch Schalenwild in den übrigen Jagdbögen tragbar ist. Die wichtigsten Mischbaumarten Buchen und Edellaubbäume können sich in ausreichender Anzahl ungeschützt verjüngen. Lediglich die Tanne (als tiefwurzelnde Baumart im Bergmischwald unverzichtbar) kann sich noch nicht überall ungeschützt entwickeln.
Nachdem Schriftführer Sebastian Zinth die Niederschrift der letzten Versammlung vorgetragen hatte, berichtete Kassiererin Isabella Lingg über die Finanzen der Jagdgenossenschaft. Die Jagdgenossenschaft ist finanziell gut aufgestellt und sämtliche Jagdeinrichtungen aus den ehemaligen Pachtverhältnissen sind mittlerweile abgelöst.
Anschließend berichteten die Jagdleiter Andreas Kley, Georg Rohrmoser und Michael Obermeyer aus ihren Jagdbögen und Pirschbezirken.
Die Schalenwildabschüsse sind in allen Jagdbögen sehr gut erfüllt worden. Besonders beim Rehwild und beim Rotwild wurde in der Jagdgenossenschaft mehr Wild als im Abschussplan vorgesehen erlegt.
Trotz intensiver Bejagung des Rotwildes ist ein Anwachsen des Rotwildbestandes zu beobachten.
Der Jagdvorsteher ging in seinem Vortrag dieses Jahr speziell auf den Anstieg der Rotwildbestandszahlen in der Jagdgenossenschaft und im Allgemeinen im Oberallgäu und Bregenzerwald ein. Er berichtete, dass die Rotwildbestände im Bereich der Hochwildhegegemeinschaft Sonthofen seit Jahren stetig ansteigen. Vonseiten der Jagdgenossenschaft wurde in den letzten Jahren der Rotwildabschuss sukzessive erhöht. Die aufgegebenen Rotwildfütterungen wurden bewusst nicht reaktiviert damit nicht noch mehr Rotwild zuzieht. Dann machte der Jagdvorsteher einen Rückblick in die Geschichte zur Bestandsentwicklung des Rotwildes im Oberallgäu und im angrenzenden Bregenzerwald. In den Jahren nach der Revolution 1848 wurde durch die freie Jagd der Bauern das Rotwild fast ausgerottet. Nach der Verabschiedung des neuen Jagdrechts 1850 wurden Jagdreviere gebildet, die dann von Adeligen und Industriellen gepachtet und bewirtschaftet wurden. Von General Graf von Rechenberg wurde die Allgäuer Jagdgesellschaft gegründet. Die Allgäuer Jagdgesellschaft hegte Rotwild zum Zwecke der Trophäenjagd. Durch Großfütterungen wurde das Rotwild in den Sommereinstandsgebieten überwintert und es entstanden im Oberallgäu und Bregenzerwald die besten Hochwildreviere im südl. Alpenraum. Der Jagdvorsteher stellte fest, dass durch Fütterung der Rotwildbestand hochgehalten wird. Der Rotwildbestand sollte aber nur so hoch sein, dass die natürliche Verjüngung des Bergmischwaldes nicht gefährdet ist. Das Überwintern von zu viel Rotwild an Fütterungen und Gattern birgt die Gefahr von Seuchen (TBC). Bei uns im Oberallgäu momentan zum Glück kein Problem aber im Bregenzerwald ist die Rindertuberkulose vermehrt ausgebrochen. In der Bezirkshauptmannschaft Bregenz wurden 5 Höfe gesperrt. Die Abschusszahlen wurden im Jagdgebiet Bezau/Schönenbach um über 100 Stück Rotwild erhöht. Der Jagdvorsteher ging nun darauf ein, dass sich das Lecknertal, welches sich im Zuständigkeitsbereich der Jagdgenossenschaft befindet in nicht allzu großer Entfernung liegt. Rotwild kann bekanntlich über große Entfernungen wandern und tut dies in immer schneeärmeren Wintern,
wie in den vergangenen Jahren vermehrt. Im Lecknertal beabsichtigt der Jagdvorstand mit den Grundbesitzern über den Verbleib der bestehenden Rotwildfütterung zu sprechen.
Zum Abschluss bedankte sich Jan Biebricher-Reicherzer bei seinen Jägern für die geleistete Arbeit und ermunterte sie weiter so erfolgreich zu jagen. Er betonte man kann es nicht oft genug wiederholen: „Zukunft bei uns im Allgäu und im Bregenzerwald braucht einen stabilen Bergmischwald, wir als Waldbesitzer sind dafür mitverantwortlich für uns aber auch für die Gesellschaft“.
Bürgermeister Martin Beckel würdigte die gute und notwendige Arbeit der Jagdgenossenschaft. Er dankte der gesamten Vorstandschaft und den Jägern für ihren Einsatz und die geleistete Arbeit für den Markt Oberstaufen.

