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Neues Portal zu den Ortsnamen der Gemeinden des Bezirks Schwaben

www.geschichte-bayerns.de/ortsnamen

Das Portal präsentiert die Bedeutung der Ortsnamen, ihre frühesten historischen Nennungen und hörbar die gesprochenen Mundartformen. 

Projekt
Im Rahmen des Online-Projekts „Die Ortsnamen des Regierungsbezirks Schwaben“ werden die Namen der Orte Schwabens erklärt, die Ende des 20. Jahrhunderts bestanden und vor 1800 erstmals schriftlich belegt sind. Die einzelnen Artikel wurden bei der Kommission für bayerische Landesgeschichte bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften erstellt, sie sind das Ergebnis von wissenschaftlichen Analysen der Ortsnamen. 
 
Organisation
Die Online-Präsentation der schwäbischen Ortsnamen auf der digitalen Plattform der Kommission für bayerische Landesgeschichte, www.geschichte-bayerns.de, erfolgt in Kooperation und gefördert durch das bayerische Kulturportal www.bavarikon.de. 
 
Einträge in der digitalen Plattform wurden nach folgenden Kriterien gestaltet:
1.    wichtige historische Schreibformen (ca. 8–10 bei seit dem Mittelalter überlieferten Ortsnamen) in chronologischer Reihenfolge
2.    die mundartliche Aussprache (als Transkript in Lautschrift und in Form von Audiodateien)
3.    die nach den Namenbestandteilen gegliederte Erklärung (erarbeitet unter Berücksichtigung der Erkenntnisse der Historischen Sprachwissenschaft) mit Angabe der ursprünglichen Bedeutung des betreffenden Namens und ggf. mit Kommentaren zur Lokalisierung von Ortsnamenformen sowie zu fraglichen bzw. unzutreffenden Erklärungen
4.    Verortung in topographischer Karte
5.    Literaturhinweise
 
Grundlagen zur Datengewinnung waren die im Rahmen der Buch-Reihe „Historisches Ortsnamenbuch von Bayern (HONB)“ bearbeiteten Bände zu den Ortsnamen schwäbischer Landkreise. Hier waren besonders die Arbeiten von Prof. Werner König (Universität Augsburg) und seinem Schülerkreis eine zentrale Grundlage. Zuletzt sind 2020 die Bände Augsburg von Hans-Peter Eckart und Nördlingen von Bernd Eigenmann erschienen. Berücksichtigt wurden auch die ortsnamenbezogenen Daten des „Sprachatlasses von Bayerisch-Schwaben (SBS)“ und das Lexikon der Ortsnamen von W.A. v. Reitzenstein.
 
Mundartformen wurden im Rahmen des Online-Projekts mit kompetenten älteren Dialektsprecherinnen und -sprechern in Schwaben vor Ort und in Nachbarorten aufgenommen und als Audiodateien dokumentiert.
 
Erkenntniswert
- In den Ortsnamen spiegeln sich u.a. die Ausgestaltung der Landschaft und die Lebensumstände der Bevölkerung. Sie entstammen verschiedenen Sprachen bzw. Kulturkreisen (Kelten, Römer, Alamannen etc.), werden zum Teil über Jahrhunderte tradiert u. transformiert.
- Als der Identifizierung dienende Spracheinheiten sind Ortsnamen von großer Relevanz bei der Bestimmung von individueller und kollektiver Identität. 
- Durch die Analyse des gesamten Ortsnamenmaterials eines Gebiets in Bezug auf verschiedene Namentypen mit ihrer spezifischen Zeitstellung leistet die Namensgeschichte einen wichtigen Beitrag zur interdisziplinär konzipierten Erforschung der Siedlungsentwicklung im Land.
- Weitere Informationen in ZBLG-Themenheft "Ortsnamen als kulturelles Erbe" (2015) books.google.de/books;

 
Für das Untersuchungsgebiet Bayerisch-Schwaben ist festzustellen, dass sich aus namentypologischer Sicht zwei Regionen voneinander abheben: 
- Der nördliche Teil Schwabens ist von einer Vielzahl frühmittelalterlicher Ortsnamen auf  ingen (vgl. Dillingen, Nördlingen oder auch den ursprünglichen  ing-Namen Schwabmünchen, im 10. Jahrhundert als Mantahinga überliefert) und  heim (Achsheim, Jedesheim, Sontheim) geprägt. 
- Im Süden Schwabens trifft dies nur für die Flusstäler der Iller und der Günz zu. Ansonsten treten im Allgäu vor allem jüngere, d. h. hoch- und spätmittelalterliche Typen wie die Ortsnamen auf  ried  (Rodungsnamen wie Altusried, Dietratried) und die genetivischen Ortsnamen (nach dem Muster Adelharz = Genetiv des Personennamens Adelhart) hervor. Für den gesamten Regierungsbezirk ist eine hohe Anzahl von Namen auf  hausen und  hofen charakteristisch, deren Blütezeit im späteren Frühmittelalter lag, sowie einige Namen, die vordeutschen Schichten zuzuordnen sind und z. T. bis in die Antike zurückreichen. Als Beispiele hierfür seien Kempten (keltisch), Augusta, das Bestimmungswort des Namens Augsburg, und Pfronten (romanisch) genannt.
 
Weitere Vorhaben und laufende Projekte
In der noch laufenden zweiten Projektphase wird das Namenkorpus ergänzt, d. h. die in der Zeit nach 1800 erstmals erwähnten Ortsnamen sowie die Namen von abgegangenen Orten (Wüstungen) und von in größeren Orten aufgegangenen Siedlungen werden einbezogen. 
 
Auch von Interesse für Schwaben:  www.historisches-lexikon-bayerns.de